Textilfrei heißt wirklich textilfrei
In den Sauna- und teilweise den Baderitual-Bereichen von Friedrichsbad, Kaiser-Friedrich-Therme, Bad Kissingen und Palais Thermal gilt konsequente Textilfreiheit — für alle Geschlechter gemeinsam, ohne separate Zeiten. Das ist in Deutschland allgemein üblich und kein Sonderfall dieser vier Häuser: Badebekleidung gilt in klassischen Saunalandschaften meist als unhygienisch, weil verschwitzter Stoff die Wärme schlechter abgibt als nackte Haut. Wer das nicht gewohnt ist, sollte es vorher wissen, nicht erst an der Kabinentür.

Eine Ausnahme bilden reine Schwimmbecken-Bereiche ohne Sauna-Anbindung, etwa Teile des Thermenparadieses in Bad Wörishofen — dort ist Badebekleidung Pflicht. Im Zweifel gilt: in der Sauna nackt, im reinen Schwimmbecken mit Badeanzug oder -hose.
Der Aufguss: eine choreografierte Zeremonie, kein beliebiger Moment
Ein Aufguss ist der Moment, in dem ein Saunameister oder eine Saunameisterin Wasser — oft mit ätherischen Ölen versetzt — auf die heißen Steine gießt und den entstehenden Dampf mit einem Handtuch im Raum verteilt. Während eines laufenden Aufgusses öffnet man die Saunatür nicht: Jeder Luftzug lässt die aufgebaute Hitze entweichen und stört alle Anwesenden. Wer eine Sauna betreten möchte, wartet den Aufguss ab oder betritt den Raum kurz davor.
Duschen vor dem Bad, nicht danach
Vor dem ersten Eintauchen in ein Becken ist eine gründliche Dusche ohne Ausnahme Pflicht — ein hygienischer Standard, den alle fünf Bäder in diesem Führer durchsetzen. Nach der Sauna, vor dem nächsten Becken, gilt dieselbe Regel erneut.
Das Römisch-Irische Bad: eine feste Reihenfolge
Wer das klassische Römisch-Irische Bad-Ritual bucht, wie es Friedrichsbad und Kaiser-Friedrich-Therme anbieten, durchläuft eine festgelegte Abfolge unterschiedlich temperierter Warmluft-, Dampf- und Tauchbäder, die von Wechselduschen unterbrochen wird. Die Reihenfolge ist bewusst so gestaltet, dass der Kreislauf sich schrittweise an die Temperaturwechsel gewöhnt — Stationen eigenmächtig auszulassen oder umzukehren, wird an der Kasse in der Regel nicht empfohlen, ist aber im eigenen Tempo möglich.
Fotografieren: in den Nassbereichen grundsätzlich untersagt
In allen fünf Bädern dieses Führers ist Fotografieren und Filmen in Sauna- und Nassbereichen aus Gründen der Privatsphäre anderer Gäste untersagt — unabhängig davon, ob Textilfreiheit gilt oder nicht. Handys bleiben in der Regel im Spind, nicht in der Hosentasche des Bademantels.
Ruhephasen ernst nehmen
Nach einem Aufguss oder dem vollständigen Bad-Ritual ist eine Ruhephase von 30 bis 60 Minuten eingeplant, meist in eigens dafür eingerichteten Ruheräumen. Gespräche sind dort unüblich bis unerwünscht — die Ruhephase ist kein optionaler Programmpunkt, sondern Teil des gesundheitlichen Effekts, den Kreislauf nach der Belastung langsam wieder zu beruhigen.